Historischer  Verein  Landsberg  am  Lech  e.  V.
 

Berichte 2022

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Dienstag, 12. Juli bis Samstag 16. Juli 2022, Fünf-Tages-Fahrt mit Sigrid Knollmüller
in die reiche Kulturlandschaft der Oberlausitz und in das unbekannte Riesengebirge
In Deutschlands östlichste Stadt, nach Görlitz, führte eine Fünftagesfahrt des Historischen Vereins Landsberg. 40 Teilnehmer erkundeten unter der Leitung von Sigrid Knollmüller die reiche Kulturlandschaft der Oberlausitz, das Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien sowie das Hirschberger Tal im heute polnischen Niederschlesien.
Unerwartet zahlreiche Kunst- und Kulturschätze begleiteten die Landsberger Gäste in die reiche Geschichte dieses Landstrichs. So ist Görlitz zwar allgemein als schöne Stadt bekannt; die Fülle an prachtvollen Gebäuden aus Spätgotik, Renaissance und Barock überraschte aber selbst vielgereiste Teilnehmer. Die bestens erhaltene Altstadt, so der Stadtführer, sei das Erbe einer Kaufmannsmentalität, deren Pragmatismus die Stadt vor sämtlichen Kriegszerstörungen bewahren konnte.
Der frühere Reichtum der Stadt zeigt sich auch in zahlreichen Villenvierteln und Boulevards mit Gründerzeitbauten, wie man sie sonst nur aus weitaus größeren Städten kennt. Als kleines Extra erhielt die Reisegruppe sogar Zutritt zum derzeit geschlossenen Jugendstil-Kaufhaus von 1913, das schon mehrmals als prunkvolle Kulisse großer Kinoproduktionen wie „Budapest Hotel“ diente. Eine Stippvisite in den heute polnischen Teil von Görlitz, Zgorzelec, erlaubte zudem einen Blick in die beeindruckende ehemalige Oberlausitzer Gedenkhalle zu Ehren der Hohenzollernkaiser.
Ganztätige Ausflüge führten die Landsberger die Neiße entlang zum Zisterzienserinnen-Kloster Marienthal, nach Zittau und von dort mit der Schmalspurbahn nach Oybin an der Grenze zu Tschechien, sowie über die Neiße hinweg ins heute polnische Niederschlesien. Über enge Bergstraßen kurvte der Bus durch das Iser- und Riesengebirge zur Villa des Dichters und Nobelpreisträgers Gerhart Hauptmann und zum prachtvoll renovierten Schloss Lomnitz im Hirschberger Tal. Atemberaubender Schlusspunkt war allerdings die evangelische Friedenskirche in Jauer, die im überwiegend katholischen Schlesien 1654/55 nur aus Holz und Lehm erbaut werden durfte, dank ihres überbordenden Bildprogramms aber mittlerweile zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde.
Letzte Station der Reisegruppe war schließlich Bautzen, das Zentrum der sorbischen Minderheit in Sachsen. Nach einer Stadtführung und dem Besuch im einzigen Dom der Welt, der von Katholiken und Protestanten simultan genutzt wird, ging es auf die Heimreise nach Landsberg.

Die Reisegruppe des Historischen Vereins im prunkvollen Jugendstil-Kaufhaus von Görlitz (Bild: Heilrath)


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Samstag, 9. Juli 2022, Tagesfahrt mit Sigrid Knollmüller nach Ansbach zur Bayerischen Landesausstellung „Typisch Franken“
Dankenswerterweise sprang unsere Ehrenvorsitzende Sigrid Knollmüller für den erkrankten Werner Fees-Buchecker als Fahrtenleiterin ein. Die Bayerische Landesausstellung „Typisch Franken?“ fand im mittelfränkischen Ansbach, der früheren Residenzstadt des Markgrafentums Brandenburg-Ansbach im barocken Orangeriegebäude aus dem 18. Jahrhundert im markgräflichen Hofgarten statt. Nach dem Mittagessen vermittelte uns eine Stadtführung das Stadtbild, die Geschichte und die Sehenswürdigkeiten der fränkischen Markgrafenstadt Ansbach.


ev. Kirche St. Gumbertus / Foto Helga Döllner


Sarkophag der Hohenzollern / Foto Helga Döllner


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Samstag, 18. Juni 2022, Tagesfahrt mit Ingrid Lorenz nach Rattenberg am Inn und Kramsach in Tirol
Rattenberg wurde 1254 erstmals urkundlich erwähnt. Die kleine Stadt ist die Glasstadt Österreichs. Sie hat ihr mittelalterliches Stadtbild weitgehend bewahrt. Die Burg war einst die wichtigste Befestigung des Herzogtums Bayern im Inntal. Das 15. Jahrhundert brachte durch den Silber- und Kupferabbau wirtschaftlichen Aufschwung. Dieser zeigte sich in der Errichtung neuer Sakralbauten, der Pfarrkirche St. Virgil und der Augustinerkirche. Rattenberg ist der Geburtsort der hl. Notburga (1265-1313). Kramsach liegt gegenüber von Rattenberg. 1974 wurde dort das „Museum der Tiroler Bauernhöfe“ gegründet. Auf dem Gelände sind Originalhöfe aus ganz Tirol aufgebaut. Die Besucher erhalten einen ausgezeichneten Einblick in die bäuerliche Lebenswelt. Eine einmalige Attraktion ist auch der Museumsfriedhof, ebenfalls in Kramsach, mit Grabkreuzen und –steinen mit lustigen und skurrilen Inschriften.

Bergbauernhofmuseum / Foto Josef Heilrath


jeder war froh um Schatten / Foto Josef Heilrath


Foto Josef Heilrath


Foto Josef Heilrath


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Samstag, 11. Juni 2022, Tagesfahrt mit Dr. Werner Fees-Buchecker zum Welterbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ nach Blaubeuren

Als sich während der letzten Eiszeit vor 43.000 Jahren Menschen in Europa niederließen, siedelten sie auch in den zahlreichen Schutz bietenden Höhlen der Schwäbischen Alb. Hier hinterließen sie die ältesten mobilen Kunstwerke der Welt, deren Bedeutung für das Verständnis der Menschheitsgeschichte und die Entwicklung der Künste weltweit einzigartig ist. Die Welterbestätte Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb wurde 2017 in die UNESCO-Welterbeliste eingeschrieben.
Das Welterbe konzentriert sich auf archäologische Fundlandschaft in den Tälern von Ach und Lone im östlichen Teil Baden-Württembergs. Die dort vorhandene Dichte archäologischer Stätten ist außergewöhnlich. An allen Fundorten konnten durch archäologische Ausgrabungen seit den 1860er Jahren Stein- und Knochengeräte sowie Schmuck- und Kunstobjekte freigelegt werden, die zwischen 33.000 und 43.000 Jahre alt sind. Die Höhlen und Eiszeitkunst auf der Schwäbischen Alb dokumentieren in herausragender Weise die Kultur der ersten in Europa siedelnden modernen Menschen. Einzigartige Zeugnisse dieser Kultur, die sich in den Höhlen erhalten haben, sind geschnitzte Figuren, Schmuck und Musikinstrumente. Sie gehören zu den ältesten Belegen figürlicher Kunst und den weltweit ältesten, bis heute gefundenen Musikinstrumenten.
Einführung im Museum der Eiszeitkunst in Blaubeuren, anschließend individuelle Besichtigung der Ausstellung. Gemeinsames Mittagessen, anschließend Fahrt zur Eiszeithöhe Hohlefels

Kloster Blaubeuren hinter dem Blautopf / Foto Helga Döllner

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Donnerstag, 26. Mai 2022: auf den Spuren Sebastian Luidls

In diesem Jahr jährt sich der Todestag des Landsberger Bildhauers Sebastian Luidl – Sohn des großen Lorenz Luidl – zum 300. Mal. Aus diesem Anlass unternahm der Historische Verein eine Halbtagesfahrt zu den beiden Schlüsselwerken Luidls, zwei Figuren der Heiligen Joseph und Joachim, nach Altdorf bei Marktoberdorf. Der ausgewiesene Luidl-Experte Herbert Wittmann empfing die Gäste aus Landsberg und erläuterte Leben und Werk des jung verstorbenen Bildhauers.
Sebastian Luidl starb am 3. Juli 1722 mit nur 31 Jahren. In diesem kurzen Leben ließ er großes Talent erkennen, doch können seine Arbeiten kaum von denen seines Vaters Lorenz oder seines Bruders Johann abgegrenzt werden. Immerhin sind die beiden Heiligenfiguren in der Altdorfer Pfarrkirche von Sebastian Luidl signiert. Gesteht man dem jungen Bildhauer hier eine eigene Handschrift zu, ließen sich weitere Arbeiten, u.a. in Epfenhausen und Issing, auf den Luidl-Sohn zurückführen.
Über die beiden Luidl-Figuren hinaus beeindruckte die Altdorfer Pfarrkirche aber auch durch ihre vorzüglichen Stuckarbeiten und Deckenfresken. Besondere Beachtung verdiente das Chorfresko der „Aufnahme Mariens in den Himmel“ mit der ungewöhnlichen Darstellung des Heiligen Geistes als jungem Edelmann.
Im Anschluss an den Besuch in Altdorf führte der 87-jährige Herbert Wittmann die Landsberger Gruppe noch zur Wallfahrtskirche der Hl. Ottilia ins benachbarte Hörmanshofen. Auf einer Anhöhe am südlichen Ortsrand thront das sehenswerte Gotteshaus, das u.a. mit einer reich geschmückten Kanzel und einer Pietà aus dem 14. Jahrhundert aufwarten kann. Ein kleiner Fußmarsch führte dann noch zum „Brünnele“, der Fünf-Wunden-Kapelle. Auf halber Berghöhe entspringt hier eine überraschend starke Quelle – für die gläubigen Menschen früher Wunder genug, um dem Wasser Heilkraft zuzusprechen.

Die Wallfahrtskirche St. Ottilia liegt auf einem Hügel am Ortsrand von Hörmanshofen


Luidl-Experte Herbert Wittmann in der Altdorfer Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt


Der reich geschmückte Hauptaltar der Wallfahrtkirche von Hörmanshofen


Der Hl. Joachim in der Altdorfer Pfarrkirche aus der Hand von Sebastian Luidl


Die Muttergottes mit den Heiligen Petrus und Paulus in der Fünf-Wunden-Kapelle von Hörmanshofen


In der Fünf-Wunden-Kapelle strömt eine starke Quelle aus den fünf Wunden Christi in ein steinernes Becken


alle Fotos von Helga Döllner

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Donnerstag, 12. Mai 2022: Tagesfahrt mit Dr. Werner Fees-Buchecker nach Augsburg
(Römisches Museum / Römerlager in Zeughaus und Depot. - Welterbe Augsburger Wasserwirtschaft)
Das Römische Museum in Augsburg ist zurzeit geschlossen. Stattdessen warfen wir einen Blick hinter die Kulissen und besucthen das normalerweise nicht zugängliche Fundmagazin und das Lapidarium, wo die großartigen Grabsteine von den verschiedenen römischen Friedhöfen Augsburgs stehen.
Am Nachmittag führten uns zwei Mitarbeiterinnen des Welterbe-Zentrums Augsburg in die komplexe Geschichte des UNESCO Welterbes „Augsburger Wasserwirtschaft“ ein und leiteten uns zu den verschiedenen Punkten.

Wasserrad an einem Lechkanal / Foto Helga Döllner


Auch eine Wasserverkostung gehörte zur Führung „Welterbe Wasser“, im Bild: unsere Ehrenvorsitzende Sigrid Knollmüller / Foto Helga Döllner


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Ostermontag, 18. April 2022: Emmausgang mit Dr. Werner Fees-Buchecker:
Bei herrlichem Sonnenschein trafen wir uns an der Kirche in Untermühlhausen St. Benedikt mit schöner barocker Altarausstattung, die aus einem spätgotischen Bau 1740 barock umgestaltet wurde. Die Gruppe begeisterte auch, dass noch das Heilige Grab aus der Zeit um 1900 aufgebaut war. Dann wanderten wir oberhalb des verlorenen Baches nach Geretshausen, wo uns schon Rainer Hollenweger erwartete, um uns die barocke Pfarrkirche von 1682/ 1737  deren Umgestaltungen und die Ausstattung eindrucksvoll zu erläutern.  Nach einer weiteren halben Stunde Fußmarsch erreichten wir Weil und besuchten dort noch die Pfarrkirche St. Mauritius möglich, deren Bau 1715 neu errichtet, aber im Spätbarock 1730 bzw. 1742 neu dekoriert wurde. Traditionell beendete eine Einkehr im gegenüberliegenden Gasthaus den Emmausgang, bevor sich ein Teil der Gruppe zu Fuß, ein anderer  mit Fahrzeugen auf den Rückweg nach Untermühlhausen machte.

Die Kirche St. Benedikt in Untermühlhausen mit dem Hl. Grab / Foto Helga Döllner


Unser Mitglied Rainer Hollenweger führte uns mit vielen eigens zusammengestellten Materialien durch die Kirche Geretshausen / Foto Helga Döllner


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